Tausende Flüchtlinge erreichen Deutschland mit der Bahn
Im August und September 2015 trafen über die Routen Ungarn–Österreich und Italien–Brenner täglich zwischen einhundert und 14 000 Flüchtlinge mit Zügen in München ein. Zunächst wurden die Flüchtlinge von München aus verteilt. Später wurden direkte Züge in andere deutsche Städte geführt. Die Deutsche Bahn (DB) setzte alles daran, ankommenden Flüchtlingen in Regel- oder Sonderzügen eine sichere Weiterreise in die bereitstehenden Aufnahmeeinrichtungen im gesamten Bundesgebiet zu gewährleisten. Zur Unterstützung der Bundespolizei hat die DB in München den Starnberger Flügelbahnhof sowie ein ehemaliges Signalwerk an der Donnersberger Brücke zur Einrichtung von Erstaufnahmestellen zur Verfügung gestellt. Es wurden diverse improvisierte Lösungen praktiziert. So wurden Flüchtlinge ab München-Hbf mit eigens geführten Zügen der S-Bahn in die Nähe eines Zeltlagers im Bereich der Abstellanlage Donnersberger Brücke gefahren. Innerhalb von Stunden mußten für viele tausend Flüchtlinge Ankunft und Weiterleitung organisiert werden. Im Reisezentrum wurden zwei Extra-Schalter eingerichtet und mit arabischen Schriftzeichen versehen. Kurzfristig kamen Lokführer aus der Freizeit, um Sonderzüge zu fahren. DB-Sicherheitsmitarbeiter aus dem Süden begleiteten Züge teilweise bis nach Hamburg. Sonderzüge aus Österreich wurden nach Berlin, Braunschweig, Dortmund, Eisenhüttenstadt, Celle und Düsseldorf geführt. DB-Mitarbeiter kümmerten sich gemeinsam mit den Kommunen, der Bundespolizei, der Landespolizei, der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen und unzähligen ehrenamtlichen Helfern um die Menschen. Um Flüchtlinge zu informieren, gibt es im Dortmunder Hauptbahnhof Ansagen in Arabisch. Darüber hinaus wurden Texte auf Arabisch verteilt, die in den Zügen von Flüchtlingen mit Arabisch- und Deutsch-Kenntnissen durchgesagt wurden, um die Flüchtlinge auf die Situation in Dortmund vorzubereiten und Ängste zu nehmen.
Die DB stellte am 13. September 2015 um 18 Uhr auf Weisung der Bundesbehörden für zunächst zwölf Stunden den Bahnverkehr zwischen Österreich und Deutschland vollständig ein. Davon betroffen waren Fern- und Nahverkehr sowie der Verkehr nach Zürich. Am 17. September 2015 wurden an der deutsch-österreichischen Grenze bei Salzburg Grenzkontrollen eingeführt, um die Situation kontrollieren zu können. Die behördlichen Maßnahmen führten zu Verspätungen bis zu drei Stunden, die einen grenzüberschreitenden Verkehr nach Fahrplan zeitweise nicht ermöglichten, so dass der Fernverkehr zwischen München und Salzburg unterbrochen wurde. Reisende wurden auf die Grenzübergänge Kufstein und Passau verwiesen.
Die DB versucht, Kommunen bundesweit durch die Freigabe von Gebäuden und Grundstücksflächen oder die Bereitstellung von Gebäuden für die Unterbringung von Flüchtlingen unbürokratisch zu unterstützen.
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