Stadler eröffnet Kundenabnahmezentrum in Hennigsdorf
Josef Köcher, CEO Stadler Deutschland GmbH, Jürgen Graba, Leiter Inbetriebsetzung & Gewährleistung Stadler Deutschland GmbH, Oliver Brandt, Geschäftsführer Stahl & Verbundbau GmbH und Thomas Günther, Bürgermeister von Hennigsdorf (v.l.)
Die Anfang Mai eröffnete Halle 1 ist als Kundenabnahmezentrum sehr wichtig. Dort erfolgt die finale Übergabe der Züge an die Kunden. Sie ist 3 360 Quadratmeter groß, rund 183 Meter lang und hat drei Hallengleise, zwei davon mit durchgehender Grubenwanne und Seitengrube. Drei technische Lösungen machen sie besonders.
Damit ist die zweite von fünf Etappen abgeschlossen, mit denen Stadler den Standort bis 2027 zum vollwertigen Inbetriebsetzungszentrum (IBS) ausbaut. Errichtet wird der Standort vom Bauunternehmen S & V als Generalunternehmer.
Im Landkreis Oberhavel direkt nördlich von Berlin werden künftig alle Züge betriebsbereit gemacht, die im benachbarten Stadler-Werk in Berlin-Pankow gefertigt werden.
„Inbetriebsetzung“ – das umfasst alles zwischen der Montage und der Übergabe an den Kunden: Bordsysteme hochfahren, Hard- und Softwaretests im Stand und während der Fahrt, statische und dynamische Abnahmen. In Hennigsdorf kann dies künftig für mehrere Großaufträge parallel laufen.
Stadler ist seit über 20 Jahren in der Metropolregion Berlin-Brandenburg präsent. Mit Hennigsdorf bündelt das Unternehmen Aktivitäten, die bislang am IBS-Standort Velten angesiedelt waren. 2023 erwarb Stadler das rund 46 000 Quadratmeter große Grundstück in Hennigsdorf – einem Ort, der seit über hundert Jahren für den Schienenfahrzeugbau steht und nur wenige Kilometer vom Fertigungswerk in Berlin-Pankow entfernt liegt. Das Investitionsvolumen beträgt rund 40 Millionen Euro.
Feste Dacharbeitsstände bringen Personal und Kundinnen und Kunden ohne mobile Bühnen direkt auf Wagendachhöhe – dorthin, wo Stromabnehmer, Klima- und sogar Bremsanlagen geprüft und vorgeführt werden. Das beschleunigt die Abnahmen und erhöht die Arbeitssicherheit.
Eine eigene Oberleitung in der Halle – erstmals in einem Stadler-Werk in Deutschland – spannt sich über drei Hallengleise. Damit kann jeder Zug schon in der Halle, lange vor der ersten Fahrt im Freien, unter realer Fahrleitungsspannung gestartet, geprüft und gemeinsam mit dem Kunden begutachtet werden.
Das Herzstück des Standorts ist die Mehrspannungsversorgungsanlage (MSVA). Sie gleicht die große Vielfalt im Bahnstromnetz Europas aus: Während etwa Deutschland, Österreich und die Schweiz überwiegend mit 15 kV bei 16,7 Hz fahren, nutzen andere Länder wie Frankreich oder Spanien 25 kV bei 50 Hz. Auch im städtischen Verkehr gibt es Unterschiede: U-Bahnen werden meist über Stromschiene und mit abweichender Spannung betrieben, ebenso Straßenbahnen mit eigenen Systemen. Mit der MSVA lassen sich Stadler-Züge unter all diesen Bedingungen testen.
Die Eröffnung der Halle 1 ist Etappe 2 von insgesamt fünf.
Vorangegangen war 2024 die Planungsphase nach dem Grundstückskauf 2023. Die nächsten Schritte:
Ab 2026 – Etappe 3: Sanierung und Erweiterung der Bestandshalle 3 mit festen Dacharbeitsständen, neuer Krananlage und Mittelgruben in allen Gleisen; im Anbau entstehen 14 Büroarbeitsplätze.
Ab 2027 – Etappe 4: Sanierung der Bestandshalle 2 für die Inbetriebsetzung am Fahrzeug und die Fertigstellung.
Ab 2027 – Etappe 5: Bau der 744 Meter langen Außengleisanlage mit Oberleitung.
Nach Vollausbau verfügt der Standort über insgesamt 1 437 Meter Hallengleis und 744 Meter Teststrecke im Freien.