Aktuelle Entwicklungen des Schienenverkehrs in Afrika
Bahnmarkt Afrika
Laut der aktuellen Marktstudie „The African Railway Market“ der SCI Verkehr GmbH, Köln (DE), liegt das Marktvolumen für Produkte und Dienstleistungen der Bahntechnik in Afrika bei ca. 4,8 Mrd. € jährlich und wird bis zum Jahr 2020 um 2,4 % pro Jahr auf ca. 5,4 Mrd. € anwachsen. In den vergangenen zehn Jahren konnten sich zahlreiche afrikanische Staaten schrittweise wirtschaftlich und sozial stabilisieren. Vielfach gab es ausländische Investitionen in die Erschließung von Rohstoff-Lagerstätten. Niedrige Rohstoffpreise, gebremstes Wirtschaftswachstum des Haupthandelspartners China sowie politische und soziale Unruhen stellten weiteres Wachstum in Frage. Der Bahnmarkt reagierte vor allem mit strukturellen Veränderungen: Schwerpunkt ist der Bau von Strecken zwischen Minen und Seehäfen, von denen viele verschoben oder verspätet sind, aber bisher nur wenige aufgegeben wurden. Dies wird ergänzt durch Strecken für gemischten Personen- und Güterverkehr sowie Stadtverkehrsnetze. Die Studie enthält mehr als 40 Portraits aktueller Bahnprojekte auf dem Kontinent. Neben Rohstoffen ist Afrikas größte Ressource eine relativ junge und zunehmend städtische Bevölkerung. Der Urbanisierungsgrad beträgt 40 % und steigt jährlich um 0,6 % an. Neue Netze und Strecken entstehen fast ausschließlich in Normalspur. Die Leistungssteigerung spiegelt sich aber auch in einem überdurchschnittlichen Marktwachstum für Signal- und Kommunikationstechnik. Parallel werden die Trieb-, Personen- und Güterwagenflotten verjüngt und teilweise ergänzt.
Neue Stadtbahnsysteme
Im September 2015 wurde in Addis Abeba (Äthiopien) ein Stadtbahnnetz eröffnet. Ähnliche Systeme sind in Lagos (Nigeria), Abidjan (Elfenbeinküste) und mehreren algerischen Städten in Entwicklung. In Addis Abeba wurde von der China Railway Engineering Corporation eine 31 km lange, zweigleisige, elektrische Stadtbahn mit zwei Linien und 39 Stationen gebaut. Die Strecke verläuft 23 km ebenerdig, 7 km aufgeständert und ca. 1 km im Tunnel. Die Finanzierung der Investitionen von 475 Mio. US$ erfolgte zu 85 % durch die Export Import Bank of China. Eine Erweiterung um 44 km auf 75 km ist geplant. Addis Abeba hat 5 Mio. Einwohner. Die Strecke wird von 41 dreiteiligen Niederflurstadtbahnen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h bedient. Es können pro Stunde und Richtung 15 000 Fahrgäste befördert werden.
Wieder Personenverkehr in Botswana
Im Jahr 2008 stellte Botswana Railways (BR) den Personenverkehr ein. Derzeit beschafft BR 37 neue Reisezugwagen bei Transnet Engineering (TE), Pretoria (Südafrika). Die Bahnhöfe Gaborone und Lobatse werden modernisiert. Künftig werden unter der Marke BR Express wieder Personenzüge auf der Strecke Lobatse–Gaborone–Mahalapye–Palapye–Serule–Francistown verkehren.
Normalspuriges Eisenbahnnetz in Äthiopien im Bau
In Äthiopien ist ein ca. 5 000 km langes normalspuriges Eisenbahnnetz in Bau und Entwicklung. Am Bau beteiligt sind u. a. Firmen aus China und der Türkei. In der ersten Phase sollen fünf Strecken (Addis Abeba–Djibouti 756 km lang, Mekele–Tadjourah Hafen, Addis Abeba–Dima, Awash–Hara Gebeya ca. 400 km lang und Mojo–Weyto), in der zweiten Phase weitere sechs Strecken realisiert werden. Zuletzt fand in Äthiopien nur auf der alten Meterspurstrecke der Ethio-Djibouti Railway zwischen Dire Dawa und Djibouti sporadischer Güterverkehr statt. Seit dem Jahr 2008 fuhr auf der nach Addis Abeba weiterführenden Strecke kein Zug mehr. Auf einem Teilstück der neuen Normalspurstrecke Addis Abeba–Djibouti fuhren bereits vor der vollständigen Fertigstellung seit November 2015 Güterzuge zum Weizentransport. Aufgrund starker Dürre muss Äthiopien Weizen importieren, um eine drohende Hungersnot zu begrenzen. Auf der Strecke soll Ende des Jahres 2016 der elektrische Betrieb aufgenommen werden. Die Fahrzeit für die 756 km soll bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h bei zehn bis zwölf Stunden liegen. Die Baukosten werden mit 3 Mrd. US$ angegeben. Derzeit verlassen täglich über 1 500 Lkw den Hafen Djibouti mit Ziel Äthiopien. Würde die Eisenbahn nicht gebaut, stiege die Zahl bis zum Jahr 2020 auf 8 000 Lkw. Die Lkw benötigen wegen sehr schlechter Straßen bis zu drei Wochen bis Addis Abeba.
Mögliche Elektrifizierung der Neubaustrecke in Kenia
In Ostafrika, zwischen Uganda, Ruanda, Kenia, Burundi und dem Süd-Sudan ist derzeit eine neue Normalspur-Eisenbahnstrecke Mombasa–Nairobi–Malaba im Bau. Diese wird zunächst mit Diesellokomotiven betrieben, soll aber später elektrifiziert werden. Der Abschnitt Mombasa–Nairobi ist zu zwei Drittel fertiggestellt und soll im Jahr 2017 in Betrieb gehen.
Chinesische Firmen bauen Eisenbahnen in Afrika
Im April 2016 hat die China Railway Construction Corp (CRCC) den Auftrag zum Bau einer Intercity-Strecke in Nigeria im Wert von 3,5 Mrd. US$ erhalten. Bereits im Jahr 2015 hatte CRCC den Auftrag zum Bau einer 1 400 km langen Eisenbahnstrecke entlang der nigerianischen Küste über 12 Mrd. US$ erhalten. Weitere Strecken baut CRCC in Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Kenia und Tansania. Die Projekte werden zu großen Teilen von chinesischen Banken finanziert.
Streckenmodernisierungen in Westafrika
Im September 2016 begannen die Arbeiten zur Instandsetzung und Modernisierung der 1 260 km langen Meterspurstrecke Abidjan (Elfenbeinküste)–Ouagadougou (Burkina Faso) im Volumen von 400 Mio. €. Die Transportmenge soll von 0,9 Mio. t auf 5 Mio. t gesteigert werden. Für 15 Mio. € werden 15 neue Diesellokomotiven sowie klimatisierte Reisezugwagen beschafft. Der Bau einer „West African rail loop“ mit 2 740 km Länge über Niger, Benin und Togo ist im Gespräch.
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