In Deutschland ärgern sich viele Menschen über Bahnfahrten, vor allem wegen zunehmender Verspätungen. Autofahrten hingegen werden oft mit positiven Assoziationen wie Flexibilität und Freiheit verbunden, obwohl auch sie regelmäßig von Verzögerungen betroffen sind. Woher kommt dieses Ungleichgewicht? Der Beitrag geht dieser Frage anhand einer deutschlandweiten Befragung von über 2 300 Personen nach. Herangezogen wird die Selbstbestimmungstheorie, die das Bedürfnis nach Autonomie als zentral für das Wohlbefinden beschreibt. Während Autofahrten subjektiv mehr Kontrolle und Eigenverantwortung vermitteln, ist bei kollektiv genutzten Verkehrsmitteln wie der Bahn das Gefühl der Fremdbestimmung stärker ausgeprägt, vor allem bei Unpünktlichkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass Bahnverspätungen seltener verziehen werden als vergleichbare Verzögerungen im Auto. Der Beitrag liefert Erklärungsansätze für dieses Phänomen und diskutiert erste Implikationen für optimierte, kollektive Mobilitätsangebote.